Abgestempelt und aussortiert

Diese Kolumne von Margit Glasow erschien auf Kobinet am 13.12.2019

https://kobinet-nachrichten.org/2019/12/13/abgestempelt-und-aussortiert/

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, mich in der Frage der schulischen Inklusion nicht mehr zu äußern. Sie hängt mir zum Halse raus. Zu viele Besserwisser, die der Auffassung sind, sie könnten allein aus dem Grund mitreden, weil sie selbst einmal zur Schule gegangen sind. Zu viele Eltern, die sich wegen der unzureichenden Ressourcen an den Regelschulen letztendlich doch für eine Sonderschule für ihr behindertes Kind entscheiden. Zu viele Pädagogen, die überfordert sind und nach mehr Personal schreien. Vor allem zu viele Politiker, die selbstherrlich behaupten, Inklusion funktioniere nicht für alle Schülerinnen und Schüler, wenn sie am status quo festhalten wollen.

Ich habe es satt zu hören, wie schwierig es denn sei, Kinder mit angeblichen Defiziten in die Welt der so genannten Normalen aufzunehmen, und die Umsetzung von Inklusion immer wieder auf die Kostenfrage reduziert zu sehen. Ich habe es satt, mich belächeln zu lassen, wenn ich behaupte, dass sich Inklusion nicht auf einzelne Gruppen beziehe – weder auf Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen, auf diejenigen nicht deutscher Herkunft noch auf solche, die aus anderen Gründen von Teilhabe ausgeschlossen werden. Ich habe es vor allem satt, dass es niemanden interessiert, was es bei den Heranwachsenden auslöst, wenn sie bereits in ganz jungen Jahren den Stempel „sonderpädagogischer Förderbedarf“ aufgedrückt bekommen. Wenn sie aussortiert werden.