Emotionen vs. klare Gedanken

Mit der Diagnose Down Syndrom war uns durchaus bewusst, dass wir sehr wahrscheinlich in mancherlei Hinsicht ein etwas anderes Leben führen werden als viele andere Familien. Dass wir den einen Termin mehr haben werden. Dass wir die zwei Anträge mehr stellen müssen, dass wir drei Kämpfe mehr kämpfen werden. Ja, wir haben sogar damit gerechnet, dass wir viel früher als geplant das erste graue Haar entdecken werden. Womit wir in unserer naiven Elternwelt allerdings nicht kalkuliert haben, ist das Thema Inklusion. Zugegebenermaßen existiert dieses Wort in dem Umfang, wie wir es uns jetzt wünschen und verstehen, erst seit gut drei Jahren in unseren Köpfen. Gehört haben wir davon auch schon vorher – aber uns nie damit im Detail befasst. Nun haben wir seit über drei Jahren zaghafte, positive wie schmerzvolle Inklusions-Erfahrungen gesammelt und sind um einiges geerdet. Man könnte auch sagen, schon ein paar Mal ordentlich auf die Fresse gefallen. Und mit jedem Fall stehen wir ein Stück stärker wieder auf und denken: Nun sollten wir doch mittlerweile alles erlebt haben. Inklusion vor Corona war schon ein Highlight – Inklusion in Zeiten von Corona ist eine Schande. Wir haben schon so viele tolle Erfahrungen mit und dank Ben erleben dürfen, oft wurden wir auch schon so positiv vom Zusammenhalt überrascht und begeistert. Es gibt so viele Menschen in Bens jungem Leben, die ihn jeden Tag aufs Neue motivieren und aktivieren. Die seine kleine Welt noch lebenswerter gestalten, als sie eh schon ist. Die ihn fördern und fordern und ihn für die Mitte unserer Gesellschaft stärken und vorbereiten. Und dann gibt es diese knallharten Augenblicke – gerade in für uns ALLE schweren Zeiten.