Denjenigen zuerst versorgen, der es am nötigsten braucht!

Gegenwärtig, in der Zeit der COVID-19-Pandemie, verbreitet ein Wort große Angst: Triage. Sie lässt viele Menschen befürchten, dass jene zuerst behandelt werden, bei denen die Erfolgsaussichten, im Falle einer Corona-Erkrankung zu überleben, am größten sind.

Margit Glasow hat darüber mit Dr. Leo Latasch gesprochen. Er ist Notfall- und Intensivmediziner und war zwischen 2006 und 2018 ärztlicher Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) der Stadt Frankfurt. Latasch ist zudem Professor für Anästhesiologie und war bis April 2020 Mitglied des Deutschen Ethikrats.

Am Leben Sein – denn wir haben nur das eine

von Margit Glasow

Wie viel Lebenszeit ist uns gegeben? Niemand weiß es, zum Glück. Doch dass unsere Lebenszeit enden könnte, bevor wir unser Leben gelebt haben, das wollen wir, zumal in dieser hoch technisierten Zeit, in der so vieles möglich ist, nicht akzeptieren. Wir wollen diesen Gedanken beiseiteschieben. Was aber, wenn uns dieses Schicksal doch ereilt? Wenn wir nur noch kurze Zeit zu leben haben? Wenn eine Diagnose wie zum Beispiel Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) unsere Zukunftspläne zerstört? Ist das Leben dann noch lebenswert? Hat es noch einen Sinn? Oder ist alles zu Ende?

Ob ich Angst vor der Intensivstation habe?

Ein Kommentar von Peter Mand

Auf jeden Fall habe ich Angst vor COVID-19. Laut den Definitionen der World Muscle Society gehöre ich gleich mit mehreren Merkmalen zur Gruppe der Risikopatienten. Durch die Höhe meiner Paraplegie (Querschnittlähmung) habe ich eine eingeschränkte Atemhilfsmuskulatur, abhusten kann ich mäßig gut, aber nur im Sitzen. Mein Lungenvolumen könnte größer sein, ist allerdings nicht unter 50 Prozent des Durchschnitts. Außerdem bin ich ein bisschen über 60. An sich im Alltag kein Grund zur Panik. Ich könnte ein paar Kilo weniger wiegen, aber ich singe im Chor, tanze regelmäßig und schaffe jeden Morgen 60 Liegestützen. Nur – der Alltag ist vorbei. Wenn ich den Experten glaube, habe ich im Falle einer Infektion mit dem Virus eine überdurchschnittliche Chance schwer zu erkranken, auf der Intensivstation zu landen, vielleicht sogar beatmungspflichtig zu werden. Im letzten Fall habe ich wohl schlechte Karten, angeblich sind die Chancen zu überleben nicht mal bei 50:50…

Emotionen vs. klare Gedanken

Ein Kommentar von Christin Richter

Es ist 23:30 Uhr. Ich hab noch nicht geschlafen, obwohl wir schon seit einer guten Stunde im Bett liegen. Ich ahne, dass Leni eh noch einmal nach mir verlangt, und ich will auch noch gar nicht einschlafen und eigentlich kann ich auch noch gar nicht einschlafen. Ich hasse diese Gefühle, diese Momente, die mich nicht loslassen oder die ich nicht loslassen kann. Meine Gedanken drehen sich um mein Kind. Mein großes Kind, das Kind, das mit Trisomie 21 geboren wurde. Unser Sohn, der so eine unbeschreiblich tolle Entwicklung hinlegt, ganz in seinem Tempo.